Artikel Teleskop
Die '''ENIGMA-M4''' (auch '''Schlüssel?M''' genannt, genauer: '''Schlüssel?M Form?M4''') ist eine Rotor-Schlüsselmaschine, die im Zweiten Weltkrieg im Nachrichtenverkehr der deutschen Marine zur geheimen Kommunikation zwischen dem Befehlshaber der U-Boote (BdU) und den im Atlantik operierenden deutschen U-Booten verwendet wurde. Im Gegensatz zu den von den anderen Wehrmachtteilen benutzen ENIGMA-Modellen, also beispielsweise der von Heer und Luftwaffe eingesetzten ENIGMA?I und der von den deutschen Geheimdiensten verwendeten ENIGMA-G, zeichnet sich die ENIGMA-M4 durch vier Walzen (außer der Eintritts- und der Umkehrwalze) aus. Damit ist sie kryptographisch deutlich stärker als die übrigen ENIGMA-Varianten mit nur drei Rotoren und konnte deshalb durch die Alliierten lange Zeit nicht gebrochen werden. Das Wort ?Enigma? (???????) kommt aus dem Griechischen und bedeutet Rätsel =?676 möglichen Bigramme von AA bis ZZ entsprechende Verschlüsselungen angaben, beispielsweise AA-PQ, AB-CH, AC-OS und so weiter bis ZZ-NG. Die jeweils zu verwendende Tauschtafel wurde durch individuelle Kennworte wie ''Quelle'', ''Bach'', ''Fluß'' (damalige authentische Schreibweise), ''Strom'', ''Ufer'', ''Mündung'', ''Meer'' oder ''Teich'' beschrieben.
Die vier obigen vertikalen Bigramme wurden so beispielsweise in UN, RF, NK und WA vertauscht und es ergab sich
{|
| <big>'''U R N W'''</big> <big>'''N F K A'''</big>
|}
Zur Kennzeichnung des wahren Spruchschlüssels VXJ (von oben) wurde nun das Ergebnis des komplizierten Verfahrens, also URNW NFKA gesendet. Der Empfänger hatte die beschriebenen Schritte unter Verwendung seiner identischen Tauschtafeln rückwärts durchzuführen und erhielt so den Spruchschlüssel. Diesen musste er als Walzenanfangsstellung für seine M4-Maschine einstellen, um die empfangene Nachricht entschlüsseln zu können.
Entzifferung: kriegsgeschichtliche Bedeutung
Den britischen Codeknackern gelang der Einbruch in den Schlüssel?M erst im Mai 1941 nach Kaperung des deutschen U-Boots ''U?110'' mitsamt einer intakten M3-Maschine und sämtlicher Geheimdokumente (Codebücher) inklusive der ''Tauschtafeln'' durch den britischen Zerstörer ''HMS Bulldog'' am 9. Mai 1941.
Eine besonders schmerzliche Unterbrechung (?Black-out?) für die Engländer gab es dann, als am 1.?Februar 1942 die M3 (mit drei Walzen) exklusiv bei den U-Booten durch die M4 abgelöst wurde. Dieses von den Deutschen ?Schlüsselnetz ).
Unmittelbare Folge der amerikanischen Entzifferungen war?? beginnend mit '' Westküste antreten mussten.
Chronologie
Im Folgenden sind einige wichtige Zeitpunkte zur Geschichte der ENIGMA-M4 aufgelistet:
{||align="right"|23. Feb. 1918
||align="left"|Erstes Patent zur ENIGMA
|-
|align="right"|24. Jul. 1939
||align="left"|Dreitägiges alliiertes Treffen bei Pyry (Übergabe der Walzen I bis V)
|-
|align="right"| 12. Feb. 1940
||align="left"|Erbeutung der Walzen VI und VII von ''U?33''
|-
|align="right"| Aug. 1940
||align="left"|Erbeutung der Walze VIII''
|-
|align="right"| Mai 1941
||align="left"|Bletchley Park erhält ein von ''U?110'' erbeutetes Exemplar des Wetterkurzschlüssels
|-
|align="right"| 5. Okt 1941
||align="left"|Einführung der Schlüsselnetzes ?Triton? zunächst noch mit der M3
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|align="right"| 1. Feb. 1942
||align="left"|Indienststellung der M4 (zunächst nur ''Griechenwalze ?'')
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|align="right"| 30. Okt. 1942
||align="left"|''HMS Petard'' erbeutet zweite Ausgabe des Wetterkurzschlüssels von ''U?559''
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|align="right"| 10. März 1943
||align="left"|Dritte Ausgabe des Wetterkurzschlüssels''
|-
|align="right"| 1. Juli 1943
|
|align="left"|Einführung der ''Griechenwalze ?''
|-
|}
Auffällig sind die drei Lücken (o) in der Entzifferungsfähigkeit der Alliierten. Die Gründe dafür sind: Im Oktober 1941 wurde ein eigenes Schlüsselnetz nur für die U-Boote (zunächst noch mit der M3) gebildet. Im Februar 1942 wurde die M4 eingeführt, die erst im Dezember überwunden werden konnte. Im März 1943 gab es eine neue Ausgabe des Wetterkurzschlüssels. Ab September 1943 wurden die M4-Funksprüche in der Regel innerhalb von 24 Stunden gebrochen.
'''Diagramm: Der Bruch des Schlüssels M''' (nach Ralph Erskine)
'''Jahr J F M A M J J A S O N D''' '''1939''' o o o o '''1940''' o o o o o o o o o o o o '''1941''' o o o o # # # # # o # # '''1942''' # o o o o o o o o o o # '''1943''' # # o # # # # # # # # # '''1944''' # # # # # # # # # # # # '''1945''' # # # # # o Keine Entzifferung möglich # Entzifferung gelingt
Authentischer Funkspruch
Als Beispiel dient eine Mitteilung von Kapitänleutnant Hartwig Looks, Kommandant des deutschen U-Boots ''U?264'', die am 19. November 1942 mit einer ENIGMA-M4 verschlüsselt wurde. Vor der Verschlüsselung übertrug der Funker den Text in eine Kurzfassung, die er dann Buchstabe für Buchstabe mit der M4 verschlüsselte und schließlich den Geheimtext im Morsecode sendete. Da die ENIGMA nur Großbuchstaben verschlüsseln kann, wurden Zahlen ziffernweise ausgeschrieben, Satzzeichen durch ?Y? für Komma und ?X? für Punkt ersetzt, Eigennamen in ?J? eingeschlossen sowie wichtige Begriffe oder Buchstaben als Schutz vor Missverständnissen durch Übertragungsfehler verdoppelt oder verdreifacht. Außerdem war es bei der Marine üblich, den Text in Vierergruppen anzuordnen, während Heer und Luftwaffe Fünfergruppen benutzten. Kurze Funksprüche sowie die in der Praxis nahezu unvermeidlichen Schreib- und Übertragungsfehler erschweren dabei Entzifferungen, die sich auf statistische Analysen stützen.
Ausführlicher Klartext:- Von U 264 Hartwig Looks - Funktelegramm 1132/19 - Inhalt:
- Bei einem Angriff durch Wasserbomben wurden wir unter Wasser gedrückt. Der letzte von uns erfasste Standort des Gegners war um 08:30 Uhr Marine-Quadrat AJ 9863, Kurs 220 Grad, Geschwindigkeit 8 Seemeilen. Wir stoßen nach. Wetterdaten: Luftdruck 1014 Millibar fallend. Wind aus Nord-Nord-Ost, Stärke 4. Sichtweite 10 Seemeilen.
- Von Looks - FT 1132/19 - Inhalt:
- Bei Angriff unter Wasser gedrückt, Wabos.
- Letzter Gegnerstand 0830 Uhr
- Mar.-Qu. AJ 9863, 220 Grad, 8 sm. Stosse nach.
- 14 mb, fällt. NNO 4. Sicht 10.
Transkribierter Klartext in Vierergruppen:
vonv onjl ooks jfff ttte inse insd reiz woyy eins neun inha ltxx beia ngri ffun terw asse rged ruec ktyw abos xlet zter gegn erst andn ulac htdr einu luhr marq uant onjo tane unac htse chsd reiy zwoz wonu lgra dyac htsm ysto ssen achx eins vier mbfa ellt ynnn nnno oovi erys icht eins null
Geheimtext (mit Schreib- und Übertragungsfehlern):
NCZW VUSX PNYM INHZ XMQX SFWX WLKJ AHSH NMCO CCAK UQPM KCSM HKSE INJU SBLK IOSX CKUB HMLL XCSJ USRR DVKO HULX WCCB GVLI YXEO AHXR HKKF VDRE WEZL XOBA FGYU JQUK GRTV UKAM EURB VEKS UHHV OYHA BCJW MAKL FKLM YFVN RIZR VVRT KOFD ANJM OLBG FFLE OPRG TFLV RHOW OPBE KVWM UQFM PWPA RMFH AGKX IIBG
Der Geheimtext konnte am 2. Februar 2006 mit den folgenden Schlüsseleinstellungen entziffert werden (Quelle siehe ?Moderne Entzifferung der M4?):
Schlüssel:
- UKW: B, Walzenlage: ?Beta? 2 4 1
- Ringstellung: AAAV
- Stecker: AT BL DF GJ HM NW OP QY RZ VX
- Spruchschlüssel: VJNA
Entzifferter Text (mit Schreib- und Übertragungsfehlern):
von von j looks j hff ttt eins eins drei zwo yy qnns neun inhalt xx bei angriff unter wasser gedrueckt y wabos x letzter gegnerstand nul acht drei nul uhr mar qu anton jota neun acht seyhs drei y zwo zwo nul grad y acht sm y stosse nach x ekns vier mb faellt y nnn nnn ooo vier y sicht eins null
Siehe auch
- ENIGMA (Übersichtsartikel)
- ENIGMA-G
- ENIGMA-Uhr
- ENIGMA-Walzen
- ENIGMA-Gleichung
Literatur
Ausführliches Literaturverzeichnis siehe Übersichtsartikel zur ENIGMA
- Arthur O. Bauer: ''Funkpeilung als alliierte Waffe gegen deutsche U-Boote 1939?1945''. Selbstverlag, Diemen Niederlande 1997. ISBN 3-00-002142-6
- Friedrich L. Bauer: ''Entzifferte Geheimnisse, Methoden und Maximen der Kryptographie''. Springer, Berlin 2000 (3. Aufl.). ISBN 3-540-67931-6
- Stephen Harper: ''Kampf um Enigma. Die Jagd auf U-559''. Mittler, Hamburg 2001. ISBN 3-8132-0737-4
- Hugh Sebag-Montefiore: ''ENIGMA ? The battle for the code''. Cassell Military Paperbacks, London 2004. ISBN 0-304-36662-5
- Oberkommando der Kriegsmarine: ''Der Schlüssel M ? Verfahren M Allgemein''. Berlin 1940. PDF; 0,7?MB
Weblinks
- Enigma Simulation für Windows (ENIGMA?I, ENIGMA-M3 und M4, Freeware Download)
- M4-Replikat
- Die verschiedenen Arten von U-Boot-Funksprüchen Auszüge aus dem Buch von Arthur O. Bauer (PDF-Datei; 378 kB)
- The pinch from ''U?559''
- Moderne Entzifferung der M4
-

- ''Allied Breaking of Naval ENIGMA'' von Ralph Erskine
- Interview mit Hartwig Looks (2003) zu einem Geleitzugangriff (Youtube)
Einzelnachweise
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Enigma-M4 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Der Artikel kann hier bearbeitet werden.